Ohne Lüge kann die Schönheit der Welt nur behaupten, wer sie unter dem Gesichtspunkt des Möglichen betrachtet; sich durch die schier maßlose Negativität der Kritik am mit aller Gewalt des Faktischen bloß Seienden den Blick aufs Potenzial des Positiven in ihr verschafft, um seine Verwirklichung mit intransigenter Vehemenz einzufordern.

Liebe ist Fatalität kaum weniger als die »heteronom Natur fortsetzende Geschichte« (Adorno), die uns widerfährt. Hier wie da ist das happy end nur denkbar als eines, das nicht stattfindet.

Versicherungsmathematik

Schadenshöhe mal Eintrittswahrscheinlichkeit und dann bist du tot.

Es kömmt darauf an

Letzte Einsicht am Ende von 400 Jahren neuzeitlicher Philosophie: Man braucht die Welt nicht zu erkennen. Es genügt, sie zu vernichten.

Wenn beinah alles, was einem in der Welt begegnet, die Materiatur menschlicher Selbstentfremdung ist, ist Hoffnung einzig auf den Gedanken zu setzen, der in gleichsam doppelter Negation, von der Entfremdung sich entfremdend, den Bann zu durchschlagen trachtet, durch den das Leben verhext ward. Es ist dies das Geheimnis der Negativität Adornos.

Ich würde so sehr viel lieber an dir scheitern als an mir.

Der Weltgeist ist hirntot.

Es nimmt keine Wunder, dass es keine Geschichtsphilosophie mehr gibt, müsste sie doch heute statt in prächtigen Systemen einzig in dem ebenso evidenten wie resignativen Satz bestehen, dass alles immer schlimmer wird.

Der Materialismus fordert mit der Revolution zugleich seine eigene Widerlegung: den Beweis, dass doch die Menschen ihre Geschichte machen; dass sie doch mehr als die geistlosen VollstreckerInnen geistloser Zustände sind.

Politik

Die Notwendigkeit, die private Produktion des gesellschaftlichen Reichtums als öffentliche Sache zu organisieren, konstituiert Politik.

Die Kritik des Kapitalismus kommt in dessen Krise über die sonst so sinnvergessen Dummschwätzenden wie eine ephemere Epiphanie. So schnell sie im Gestus des Schon-immer-gewusst-habens ausgesprochen wird, ist sie auch wieder vergessen.

Angesichts der stets noch potenzierten, gewissermaßen beschleunigten Beschleunigung der falschen Gesellschaft, des Zeitdrucks, der auf ausnahmslos allen lastet, müsste Marxens kategorischer Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein geknechtetes, ein verlassen, ein erniedrigtes, ein verächtliches Wesen ist, ergänzt werden um die Verhältnisse, in denen der Menschen ein gehetztes (ein hetzendes) Wesen ist.

Die Behauptung, dass der Mensch auch ein Tier sei, kommt der Apologie jeder Grausamkeit gegen ihn, der Legitimation seiner Entwürdigung zu gute; ihr Dementi dagegen taugt dazu, ihn mit einer Würde auszustatten, die in seinen realen, materiellen Verhältnissen, in jenen von Herrschaft und Ausbeutung, nicht verwirklicht ist, sondern abstraktes Postulat, mithin Lüge, oder utopisches Versprechen bleibt.

Als links kann gelten, wer sich für den Erhalt sozialer Projekte ausspricht. Einen kritischen Geist hingegen beweist, wer die Frage stellt, wie armselig eine Gesellschaft sein muss, die soziale Projekte braucht.

Positivismus (II)

»…Der Arzt hob die Augen zur Republik und sagte, er wisse nicht, ob er die Sprache der Vernunft rede, aber es sei wohl die Sprache der Tatsachen und das sei nicht unbedingt das gleiche.« (Albert Camus, Die Pest)

Der Positivismus in all seinen Variationen beherrscht nur die Sprache der Tatsachen und bleibt der Vernunft fremd. Die Vernunft dagegen bescheidet sich nicht mit den Tatsachen. Sie macht die Tatsache zu einer Sache der Tat, als sie sich deren Unmittelbarkeit, ihrem scheinhaften Nun-einmal-gegeben- und unwiderruflichen So-Sein, nicht beugt. Die Sprache der Vernunft ist die Tat oder das Schweigen.

Das Wunder von CERN

Ein schwarzes Loch für Deutschland.

Dass zur Weltmeisterschaft des Herrenfußballs so mancher mit einer Fahne herumläuft, kann ich ja verstehen. Aber die Flaggen könnten sie sich schon sparen.

„Public Viewing“ ist der Gottesdienst am eigenen Selbstbetrug (an der Nation ohnehin).

Ich fühle mich von Deutschland vervolkt.

Krisenmanagement

Der ideelle Gesamtkapitalist mobilisiert ungeheure Mengen abstrakten gesellschaftlichen Reichtums einzig zu dem Zweck, dass auch in Zukunft noch die Knappheit herrsche.